Buchrezension „Sticky Branding“

By Jutta Beyer

Klare Marke, Kundengewinnung

Wie bleibst du in den Köpfen der Menschen präsent, sodass sie sich an dich erinnern, wenn sie dich brauchen? Darum geht es in dem Buch „Sticky Branding“ von Jeremy Miller. Hier erfährst du mehr über das Thema und den Inhalt des Buches.

Über das Buch

Das Buch des Autors Jeremy Miller lautet samt Untertitel „Sticky Branding: 12.5 Principles to Stand Out, Attract Customers & Grow an Incredible Brand“ und wurde 2019 in englischer Sprache veröffentlicht. Es wurden auf Amazon – Stand 24. April 2020 – 40 Bewertungen abgegeben mit im Durchschnitt 4,5 von 5 Sternen.

Ich habe das Buch in der Kindle-Ausgabe für 8,99 Euro gelesen, die Print-Ausgabe im Taschenbuchformat verfügt über 216 Seiten und ist für 18,99 auf Amazon erhältlich.

Der offizielle Klappentext lautet:

Sticky Brands exist in almost every industry.
Companies like Apple, Nike, and Starbucks have made themselves as recognizable as they are successful.
But large companies are not the only ones who can stand out. Any business willing to challenge industry norms and find innovative ways to serve its customers can grow into a Sticky Brand.
Based on a decade of research into what makes companies successful, Sticky Branding is your branding playbook. It provides ideas, stories, and exercises that will make your company stand out, attract customers, and grow into an incredible brand. Sticky Branding’s 12.5 guiding principles are drawn from hundreds of interviews with CEOs and business owners who have excelled within their industries.

Das Buch ist in 4 Teile unterteilt:

  1. Position to win
  2. Authentic Differentiation
  3. Punch Outside Your Weight Class
  4. Over Commit, Over Deliver

und die 12,5 Prinzipien:

  1. Simple Clarity
  2. Tilt The Odds
  3. Function That Resonates
  4. Engaging The Eye
  5. Total Customer Experience
  6. „That’s interesting. Tell me more“
  7. First Call Advantage
  8. Be Everywhere
  9. Pick Your Priorities
  10. Branding From The Inside Out
  11. Proud To Serve
  12. Big Goals And Bold Actions
    12.5 Choose Your Brand

Nachfolgend erfährst du mehr über die 12,5 Prinzipien, die über die vier Teile des Buches hinweg näher beschrieben werden.

Teil 1 – Position To Win

Vom ersten Prinzip „Simple Clarity“ bin ich natürlich total begeistert, da das genau mein Thema ist und ich das ebenfalls für so wichtig halte. Denn eine klare Marke erleichtert dir so vieles, in Bezug auf deine Arbeit nach außen, aber auch was deine Arbeit im Business betrifft (Entscheidungsfindung etc.).

Hier geht es darum, dass du dich klar positionieren und kommunizieren sollst, sodass die Menschen dich sofort „einordnen“ können und sich auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder an dich erinnern.

Denke hier unbedingt aus Sicht deiner Kunden und gehe in direkten Austausch mit ihnen, um deine Slogans und Kurzbeschreibungen auf Verständlichkeit zu testen.

Jeremy erzählt von sich, dass er bei seiner Firma das Wort „Recruiting“ nicht mehr verwenden wollte, weil das sämtliche Konkurrenten ebenfalls machten und es sich für ihn nicht gut anhörte. ABER: Es stellte sich heraus, dass die genutzten Umschreibungen keiner richtig verstanden hat, niemand konnte auf den ersten Blick sehen und verstehen, was die Firma eigentlich machte. Die „einfache Klarheit“ fehlte. Als er diese für sich gefunden hatte, verstanden ihn die Kunden und er bekam Anfragen.

Bei Prinzip 2 „Tilt The Odds“ geht es weiter mit dem Thema Positionierung, vor allem wie du deine Nische findest und was du bei einer Umpositionierung beachten darfst.

Dass es ganz normal ist, wenn zuerst einmal Flaute herrscht. Was du vor allem nicht vergessen darfst:

  • Du brauchst etwas Cash
  • Musst gut kommunizieren
  • Dir genügend Zeit einrechnen
  • Und nicht vergessen, die ersten (neuen) Erfolge zu feiern (stärkt die Motivation).

Es ist ok, nein zu sagen. Du MUSST sogar nein sagen, um deinen Fokus zu halten. Hier hilft es, ganz genaue Leitlinien festzulegen. Beispielsweise wen du als Kunde annimmst, und wen eben nicht.

Beim 3. Prinzip „Function That Resonates“ geht es um dein Produkt und/oder deine Dienstleistung.

Marketing-Hype kostet Geld und vergeht wieder. Langfristig funktioniert dein Business als „Sticky Brand“ nur, wenn dein Produkt einfach zu bedienen ist, bzw. alles auch rund um deine Dienstleistung reibungslos und zuverlässig läuft.

Hierzu ist es wichtig, zuhören und wirklich zu verstehen: Was brauchen deine Kunden?

Kindle lesen Branding

Teil 2 – Authentic Differentiation

Im zweiten Teil geht es nun um die Präsentation nach Außen. Das 4. Prinzip „Engaging The Eye“ handelt davon, dass der visueller Sinn enorm wichtig ist. Wir urteilen (meist unbewusst) mit unseren Augen und gehen davon aus, dass attraktiv aussehende Dinge besser sind.

Jeremy Miller rät, deine visuelle Identität mithilfe von Metaphern bzw. Archetypen aufzubauen. Er hält sich an die 7 „deep metaphors“, die Zaltman in seinem Buch „How customers think“ verwendet.

• Balance (or imbalance)
• Transformation
• Journey
• Container
• Connection
• Resource
• Control

Ich kann ihm hier nur zustimmen, die Arbeit mit Archetypen erleichtert den Markenaufbau enorm. Ich nutze sie auch, allerdings nicht die hier beschriebenen 7, sondern 12 Archetypen auf Basis von C. G. Jung, wie sie beispielsweise im Buch „The Hero and The Outlaw“ von M. Mark und C. S. Pearson beschrieben sind. Auf dem Inspicamp letzten Oktober in Bonn habe ich eine Session zu den Archetypen gehalten, wenn du mir eine Mail schreibst, schicke ich dir gerne die Übersicht, die ich dort als Handout verteilt habe.

im 5. Prinzip „Total Customer Experience“ geht es darum, wie das Kundenerlebnis die Wahrnehmung der Marke formt.
Denn alleine ein Alleinstellungsmerkmal zu definieren reicht nicht, es muss auch umgesetzt werden. Kunden wollen keine Werbung, sondern deine Marke „erfahren“ und erleben.

Jeder Touchpoint (immer wenn dein Kunde mit deiner Marke in Berührung kommt) soll deine Marke widerspiegeln und erlebbar machen.

„That’s Interesting. Tell Me More“ ist der Name des 6. Prinzips und ein Satz, den wir natürlich gerne aus den Mündern unserer Interessenten hören. Das Interesse der potenziellen Kunden zu wecken ist oft gar nicht leicht. Gleichgültigkeit ist die schwerste Hürde. Die Menschen wählen eher, was sie schon kennen.

Hier kommt die Markentreue genannt „Brand Loyalty“ ins Spiel. Es muss einen Grund geben, damit Kunden zuhören. Statt also Blabla-Marketing zu machen – sprich lieber mit und zu ihnen. Teile ihnen deine Standpunkte und die Geschichte hinter deiner Marke mit.

Als „Brand Storyline Elemente“ nennt Jeremy Miller:
• Lasse deine Expertise für sich sprechen (Stories rund um deine Kernfähigkeiten)
• Zeige deine Haltung / Standpunkte
• Erzähle Stories über Gemeinsamkeiten, die „zusammenschweißen“ und beispielsweise geteilte Werte zeigen.

Branding-Buch

Teil 3 – Punch Outside Your Weight Class

Der Name des 7. Prinzips „First Call Advantage“ steht für das Ziel, erster Ansprechpartner für Kunden zu sein. Wichtig ist, bereits lange bevor der Kunde deine Leistung braucht, eine Beziehung zu ihm aufzubauen.

„Relationships are the difference between being your customers‘ first choice and fighting it out with your competition.“

„When you connect and build relationships with your customers before they need you, they will seek you out when they are ready to buy.“

Jeremy Miller in „Sticky Branding“

Nun sind wir schon beim 9. Prinzip angelangt. Es lautet „Be Everywhere“.
Der Autor spricht hier vom Aufbau einer (großen) Community. Die Vorteile einer großen Community sieht er in mehr Verkäufen, einer höheren Glaubwürdigkeit und besserer Unterscheidung vom Wettbewerb.

Er ist der Meinung, eine Community macht erst ab 1000 Leuten Sinn, denn nur 10 % sind normalerweise aktiv.

Als Grundregel für den Aufbau einer großen Community spricht er von den 4 Bs:

  • Be present
  • Be opinionated
  • Be generous
  • Be everywhere

Hier habe ich beim Lesen gemerkt, wie sich etwas Widerstand in mir regte. Denn ich bin der Meinung, dass du keine große Community brauchst um erfolgreich zu sein. Natürlich hat es Vorteile, und es kommt immer auf deine Ziele an und wie „bekannt“ du werden willst.

Ich persönlich bin der Meinung, dass viel wichtiger als die Größer der Community ist, dass du die RICHTIGEN Menschen erreichst und mit diesen interagierst. Qualität vor Quantität. Und du musst nicht überall sein, sondern dort wo deine Kunden sind. Auch hier ist weniger manchmal mehr.

Bei Prinzip 9 „Pick Your Priorities“ bin ich wieder ganz beim Autor. Denn du kannst nicht alles gleichzeitig machen und musst dir genau überlegen: Was ist jetzt im Moment das Wichtigste und Dringendste? Wohin macht es Sinn, deine Zeit, Aufmerksamkeit und Ressourcen zu lenken?

Branding ist ein Prozess des stetigen Verbesserns. Im Buch schreibt Jeremy von 3 Bereichen, zwischen denen du priorisieren kannst: Volume, Velocity or Value.

  • Volume: Kundenanfragen steigern, verkaufsbereite Leads generieren.
    Nicht einzelne Marketing-Aktivitäten isoliert betrachten, sondern das Zusammenspiel. Fokus auf Strategie und Ziele.
  • Velocity: Abschlussrate bei Verkäufen steigern, Kaufprozess beschleunigen. Wie schnell kaufen Kunden? Welche Systeme/Bereiche funktionieren, welche nicht? Prozesse optimieren.
  • Value: Preissensibilität reduzieren, den wahrgenommenen Wert deiner Produkte und Dienstleistungen steigern.
    Sind deine Kunden bereit, Premiumpreise zu zahlen? (Wettbewerbsimmunität)

Für die Erfolgsmessung ist es wichtig, die passenden Metriken zu wählen und das Gesamtbild zu betrachten.

Qualität vor Quantität

Teil 4 – Over Commit, Over Deliver

Das 10. Prinzip lautet „Branding From The Inside Out“ und sagt zusammengefasst aus: Menschen, Kultur und Werte halten alles zusammen.

Menschen
Selbstbewusstes Auftreten und Vertrauen in dich selbst sind essentiell. Denn das strahlt auf Kunden über und zeigt ihnen, dass du dich dazu bestimmt siehst, sie zu unterstützen.

Werte
Werte sind ein essentieller Teil deiner Markenpersönlichkeit. Nimm dir dafür Zeit und gehe hier ins Detail. Schreibe dir nicht nur 0815 Werte wie „wir sind innovativ und legen Wert auf Qualität“ oder so auf die Fahnen. Die findet der Kunde gefühlt auf jeder zweiten Website.

Kultur
„Happy employees create happy customers“ schreibt der Autor. Nicht nur nach Außen „denken“, sondern auch intern deine Werte und Unternehmensphilosophie umsetzen.

Beim 11. Prinzip „Proud To Serve“ spricht Jeremy davon, dass die besten Dinge im Leben einfach, authentisch und real sind. Die Basics müssen stimmen.

Ich vergleiche das immer mit einem Haus – hast du ein wackeliges Fundament und legst nur wert auf eine toll aussehende Fassade, bist du vielleicht schneller als dein Nachbar und dein Haus sieht auf den ersten Blick besser aus. Doch nach dem ersten großen Sturm stehst du in den Trümmern deines Hauses und das deines Nachbarn hat höchstens ein paar Dachziegel verloren.

Was eine „Sticky Brand“ von einem 0815-Unternehmen unterscheidet sind auch die Details. Hier wird nicht gepfuscht, sondern auch die Kleinigkeiten müssen reibungslos laufen (Kundenservice!) und Kunden zufriedenstellen. Hier kannst du beispielsweise regelmäßig deine Kunden nach Feedback fragen um herauszufinden, wo Verbesserungen nötig sind und überprüfen, wie deine Marke wahrgenommen wird.

Wenn du mehr gibst als erwartet wird, bleibt das ebenfalls in den Köpfen der Menschen hängen und sorgt für ein positives Bild.

Das fast letzte Prinzip: Nr. 12 „Big Goals and Bold Actions„. Es handelt von Zielen. Ziele geben dir Energie und schaffen Momentum.

Der Zweck ist größer als die Marke. Du musst dich dazu committen zu wachsen.

Es gibt verschiedene Umsatz-und Entwicklungs-Stufen. Es ist manchmal schwierig, in die nächste zu kommen. Manchmal stagniert es im Business. Hier schreibt Jeremy davon, dass es wichtig ist, mmer zuerst die Fähigkeiten fürs nächste Level entwickeln, bevor man handelt.

Also sich zu fragen:

  • Welche Systeme / Prozesse brauchen wir fürs nächste Level?
  • Was brauchen / wollen Kunden?
  • Sind wir committed?

Bei der Zielsetzung sollte hinterfragt werden:

  • Was heißt es für uns und für unsere Kunden, wenn wir dieses Zeil erreichen?
  • Wie wird es unsere Branche verändern?
  • Warum ist es wichtig, dieses Ziel zu erreichen?

Mit der Beschäftigung mit diesen Fragen sorgst du dafür, dass du die für dich richtigen Ziele findest und dein „Warum“ dahinter verstehst, denn nur dann wirst du wahrscheinlich das Durchhaltevermögen finden um dranzubleiben und die nötigen Maßnahmen durchzuführen. Denn große Ziele sind nur etwas wert, wenn sie Aktionen nach sich ziehen.

Wir sind am Ende angelangt. Das letzte halbe Prinzip Nr. 12.5 lautet: „Choose your Brand“.
Es ist harte Arbeit, eine Sticky Brand aufzubauen und geschieht nicht von heute auf morgen.
Eine Sticky Brand zu erschaffen, ist eine Entscheidung. Du hast die Wahl.

Du musst es wirklich wollen und dich dazu committen.

Frau liest Sticky Branding auf Kindle

Für wen ist das Buch empfehlenswert?

Ich finde das Buch gibt einen guten ersten Einstieg ins Thema Branding und eignet sich somit für die, die einen Einblick ins Thema bekommen möchten. Es ist leicht zu lesen und sehr verständlich geschrieben, der Autor fügt auch immer wieder Beispiele seiner eigenen Firma oder von anderen Unternehmen ein.

Was mir sehr gut gefällt ist, dass nach jedem Kapitel bzw. Prinzip ein kleiner praktischer Teil kommt mit einer Übung, sodass du direkt ins Tun kommen kannst.

Auch fortgeschrittene Branding-Leser werden den einen oder anderen Impuls mitnehmen können und sich inspirieren lassen.

Was du nicht erwarten darfst, wenn du das Buch kaufst: Dass es tief ins Thema eintaucht und dir viel Theorie liefert.

Das Buch ist auf kleine und mittlere Unternehmen ausgerichtet und nicht speziell auf Solo-Unternehmer, ich finde das allerdings nicht störend, da der Grundgedanke dahinter genauso für Solo-Unternehmer gilt.

Ich habe das Buch während der Ausgangsbeschränkungen im April 2020 gelesen, als es keine Kinderbetreuung gab. Ich habe es immer wieder zwischendurch in die Hand genommen, und egal ob eine Unterbrechung war ich konnte direkt weiterlesen und war sofort wieder im Thema, ein hochkomplexes Sachbuch wäre in dieser Situation fehl am Platz gewesen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es sich zum Beispiel für Zugfahrten eignet oder als Lektüre am Strand oder auf der Terrasse.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich – zumindest im Kindle-Format – vollkommen in Ordnung.

Interessiert dich das Buch? Hier kannst du es auf Amazon kaufen: „Sticky Branding„*.

*Dies ist ein Amazon-Partnerlink. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Dir entstehen natürlich keine Mehrkosten dadurch. Ich empfehle grundsätzlich nur Dinge, die ich kenne und gut finde.

Jutta Beyer

Autorin

Jutta Beyer ist Markenberaterin und unterstützt vielbeschäftigte Unternehmerinnen dabei, eine authentische Positionierung und eine klare Marke zu entwickeln. Sie hilft ihnen ihr Business zu vereinfachen, dass sie wieder mehr Zeit für andere Dinge haben.

Dir gefällt vielleicht auch

Hinterlasse einen Kommentar


Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * versehen.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Melde dich für die Markenimpulse an

Du erhältst ca. 1 - 2 x monatlich exklusive Inhalte, wertvolle Tipps für deinen Weg zur klaren Marke sowie Neuigkeiten per Mail.

Warte kurz ...

Abonniere noch schnell die Markenimpulse.

​Du erhältst ab und zu Tipps und exklusive Checklisten für deine authentische & klare Marke sowie Neuigkeiten. (Kostenlos und mit 1 Klick abbestellbar).